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"Ich bin ein Abenteuermensch"

Gießener Anzeiger

Samstag, den 25. März 2017 um 11:22 Uhr


TV Hüttenberg: Adalsteinn Eyjolfsson, ein isländischer Tausendsassa als Trainer in Mittelhessen

DORLAR. Von Albert Mehl. - „Das Leben ist ein Fluss und alles ändert sich.“ Der Spruch von Jack Kornfield, einem US-amerikanischen Buddhisten, drängt sich auf, wenn man vom Balkon der Wohnung von Adalsteinn Eyjolfsson auf die vorbeifließende Lahn schaut. Obwohl man Kornfield ergänzen möchte, dass der Fluss des isländischen Handball-Trainers bislang schon durch zahlreiche Windungen gestaltet worden ist und wahrscheinlich auch noch wird.

Doch erst einmal fällt beim Besuch des Wahl-Mittelhessen etwas anderes auf. An Briefkasten und Klingelschild des Neubaus im Lahnauer Ortsteil Dorlar direkt an der Lahn stehen auch die Namen Holst/Weber, Ferraz, Cavor und Mirkulovski. Das sind alles Spieler des Handball-Erstligisten HSG Wetzlar. Adalsteinn Eyjolfsson, den alle „Adli“ nennen, ist aber Trainer des Zweitligisten TV Hüttenberg. „Das kam durch die guten Verbindungen zwischen unserem Hüttenberger Manager Lothar Weber und Martin Bender von der HSG zustande“, erzählt der vor seinem 40. Geburtstag (im Sommer) sich befindende Isländer. Bauunternehmer Bender hat die Wohnungen erstellen lassen. Erst war Eyjolfsson mit seiner Ehefrau Birna in einer Wohnung von 60 Quadratmetern am anderen Ende des Neubaus zu Hause. Jetzt lebt er auf rund 100 Quadratmetern – samt einem imponierenden Balkon an und über der Lahn.

Der Umzug war auch notwendig, denn seit Mitte Januar ist die Familie Eyjolfsson vierköpfig. Zum putzmunteren und drei Jahre alten Atli Steinn kam Aron Logi, der schon zwei Monate Lebenserfahrung hat. Gerade für Atli Steinn sei der Balkon bei schönem Wetter ein ideales Betätigungsfeld, erzählen die Eltern.

Für Papa Eyjolfsson ist die idyllisch gelegene Wohnung nicht nur Wohnstätte, sondern auch Arbeits- und Rückzugsort. Am Esstisch sitze er in der Regel und bereitet Training und Spiele vor. Dass dieser Platz in der Ecke des großen Wohnbereichs zu finden ist – kein Zufall. „Ich bin ein Mensch, der alles im Blick haben will.“

Der dann aber auch schon ins Staunen kommt, wenn er auf seine fast 40 Jahre Leben zurückblickt, samt den Windungen und Krümmungen. Die aber immer wieder zu einem ruhigen Fluss geworden sind, um im Bild zu bleiben.

Und die immer eine Konstante haben: den Handball. Der Bezug zu dieser Sportart wurde ihm vielleicht nicht in die Wiege gelegt. Aber wenn man so will, war das Kinderzimmer von Adalsteinn Eyjolfsson die Handball-Halle. Denn Vater Eyjolf Bragasson war ein erfolgreicher Spieler und Trainer in Island. Und durch die frühe Trennung seiner Eltern war der Sohn immer dabei, „in der Sporttasche“, wie er mit einem Schmunzeln sagt, wenn sein Vater trainierte und coachte, in der Kabine Mannschaftsbesprechungen abhielt und Gespräche führte. „Ich war quasi gezwungen, das mitzuverfolgen“, berichtet der Junior. Dadurch habe er sich schon ganz früh viele Dinge instinktiv zu eigen gemacht, die ihm in der späteren Trainer-Laufbahn zugutekamen.

Wobei er nie nur auf die Karte Handball setzte. Dazu ist er viel zu neugierig. Und wohl auch zu intelligent. Was er aber nie so sagen würde. „Ich bin ein Abenteuermensch“, charakterisiert er sich selbst nach einem kurzen Innehalten. Und schmunzelt weiter: „Ich bin Fast-Lehrer, Fast-Sportwissenschaftler, Fast-Jurist.“ Studiengänge, die er begonnen, aber nicht beendet hat. „Ich bin ein ewiger Student.“ Auch hier kann er die Familiengeschichte bemühen. Denn sein Großvater, ein Priester, machte nach dem Ende des Berufslebens noch einen Master in Geschichte.

Eyjolfssons Intellekt ist aber eng verbunden mit Unternehmergeist. Ähnlich wie sein Landsmann, der ehemalige deutsche Bundestrainer Dagur Sigurdsson, ist er schnell dabei, wenn die Möglichkeit besteht, eine kleine Firma zu gründen. Ein Reisebüro etwa, oder was sich sonst anbietet. Meist stand aber bislang der Handball im Vordergrund. „Ich werde selbstständig arbeiten, wenn ich wieder zu Hause bin“, zeichnet sich die Zukunft bei allen Windungen und Krümmungen schon ab. Island sei da vielleicht etwas liberaler, um mit den eigenen Händen etwas aufzubauen. „Sportler als Umsteiger sind bei uns sehr gewünscht“, berichtet er.

Noch eine Begabung kommt dem Enddreißiger für die Berufswahl genauso zugute wie im Handball. „Ich bin ein Sprachenmensch“, zählt er auf, was er außer seiner Muttersprache noch beherrscht: Englisch, Dänisch, Deutsch. Wobei ihm die Sprachen nicht unbedingt zufliegen. So waren die ersten Gehversuche als Spieler beim damaligen Regionalligisten TSG Balingen anno 1996 eher ein Abenteuer. Das seien alles Sportler von der Alb gewesen, auch mit Englisch sei er nicht wirklich weitergekommen. „Mir blieb nichts anderes übrig, als Schwäbisch zu lernen. Ich wurde quasi dazu gezwungen.“ Er zieht den Vergleich zu dem Film „Der 13. Krieger“, in dem sich Antonio Banderas als Araber unter Wikingern behaupten muss und die Sprache von den Lippen ablesen lernt. „Ich habe es genauso gemacht. Ab dem dritten Tag des Trainingslagers konnte ich mitreden.“

Wobei die Trainerstation 2004 bei den Frauen des TuS Weibern noch einmal eine sprachliche Herausforderung darstellte. Denn in diesem Eifel-Dialekt musste er sich erst einmal zurechtfinden.

Kein Problem hat Eyjolfsson damit, welches Geschlecht er trainiert. „Das wird in Skandinavien nicht so gewertet, ob man Frauen oder Männer trainiert.“ Das sei auch für ihn egal gewesen, als er mit 23 Jahren als Co-Trainer und mit 24 als Cheftrainer anfing. „Ich habe angefangen, mit Mädels zu trainieren.“ Als Übungsleiter kann er sich entspannt zurücklehnen, schließlich feierte er mit 25 Jahren mit den Frauen von Vestmannaeyja bereits die isländische Meisterschaft und den Pokalsieg.

Der Umstieg vom Spieler zum Trainer war ein schmerzhafter „Einschnitt“, wie er im Rückblick eingesteht. Denn die Karriere auf dem Spielfeld wurde schon früh beendet. Bei seinem Engagement in Balingen traten Rückenprobleme auf, zu denen sich ein Kreuzbandriss gesellte. „Das war eine lange Reha“, erzählt er. Die der Rekonvaleszent nutzte, um bei der TSG eine Jugendmannschaft zu trainieren. Mit der er auch sofort Meister wurde. „Da habe ich meine Leidenschaft am Handball vom Spieler zum Trainer übertragen“, sieht er auch hier Parallelen zu seinem Vater.

Diese Leidenschaft lebt Adalsteinn Eyjolfsson aber nicht exzessiv aus. Dafür aber intensiv. Manchmal ärgere er sich aber selbst, dass er zu viel im sportlichen Bereich arbeite und nicht mehr Zeit für die Familie investiere, gibt er zu. Dazu passt, dass die Rollen klar verteilt sind im Hause Eyjolfsson. „Ich bin nicht so der gesellschaftliche Typ“, gesteht er. Das sei mehr seine Frau. „Sie ist mehr ins soziale Leben eingebunden“, dürfte Birna zugutekommen, dass sie gelernte Erzieherin ist.

Deshalb freut sich „Adli“ auch aus einem weiteren Grund über seinen Wohnort. „Es ist gut, dass ich in Lahnau wohne und nicht direkt in Hüttenberg. Es ist für mich wichtig, in die Arbeit rein und raus zu fahren. Hier habe ich meine Ruhe.“ Ganz anders als bei seiner vorigen Station in Eisenach, als er mitten im Städtchen wohnte.

Diese akribische Arbeit zahlt sich aber aus für den TV Hüttenberg. Nicht von ungefähr befinden sich die neuen Schützlinge des Handball-Trainers auf Erfolgskurs, seit Eyjolfsson im Januar 2015 die Nachfolge von Axel Spandau antrat. Sie steuern als Tabellenzweiter der 2. Bundesliga auf das deutsche Oberhaus zu. Wobei sich der Chefcoach angesichts der Rahmenbedingungen richtig heimisch fühlt. „Das sind isländische Verhältnisse: viele Talente, wenig Geld und viel Organisation.“ Dabei sei das „eine unglaubliche Geschichte“, was sich bislang hier abgespielt habe. „Der Begriff Sensation wird oft als Klischee benutzt. Aber in diesem Fall trifft es zu. Das ist eine Sensation!“ Eine Entwicklung, die er noch nicht richtig gewürdigt sieht von Sponsoren und Zuschauern.

Dieser kurze Aufreger kann aber nicht die Gelassenheit im Leben von Adalsteinn Eyjolfsson stören. Dafür ist er viel zu sehr Abenteuermensch.


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